Die Hemmung vor der Sprechtaste 

Eigentlich müßtest du jetzt mal mal mit einen Fluglotsen funken. Fragen, ob das Schießgebiet da vorne aktiv ist, oder einen Freigabe zum Einflug in irgendeinen dieser Lufträume einholen.Wenn nur der Sprechfunk-Unterricht nicht so lange her wäre... wie ging das doch gleich....?? 

Auch eine gute Erinnenrung an den Unterricht hätte so viel nicht geholfen, denn schließlich mußtest du da lernen, wie man einen Flughafen anfliegt und wie man bei miesen Wetterbedingungen nach Sonder-VFR von dort wieder weg kommt. Nichts, was dem gemeinen Segelflieger auf seinem Weg zur nächsten Wolke weiterhilft. 

Unangenehmer Weise wird der freie Luftraum (nicht nur) für die Segelflieger immer enger. Damit wir die Lufträume, die unter Kontrolle der DFS stehen, nicht als Tabu betrachten müssen, sondern sie nach Möglichkeit auch befliegen können, ist der Funkkontakt zu den Fluglotsen geradezu eine Notwendigkeit. 

Deshalb möchte ich mal darstellen, wie man so einen Kontakt gekonnt gestaltet. 

Hier zunächst  ein ganz kleiner Dialog zur Einholung einer einfachen Auskunft beim Fluginformationsdienst 

Zuerst die Kontaktaufnahme: 

„Bremen Information, Delta-8729“ 

Das ist alles! Kein „Hier ist“, und kein „Bitte kommen“. Wenn er dich hört, antwortet er schon, wenn er dich nicht hört, nützt „Bitte kommen“ echt nicht viel. 

„Delta 8729, Bremen Information“ 

Aha, er hat geantwortet! Mit vollem Kennzeichen. Bei Segelflugzeugen kürzen sie nicht gerne ab. Jetzt kannst du deine Frage loswerden, eingeleitet von deinem vollen Kennzeichen: 

„Delta 8729, ist die EDR 31 heute aktiv?“ 

Die Bezeichnung hast du dir natürlich vorher aus der Eikeo-Karte geholt! 

„Delta 8729, die EDR 31 ist nicht aktiv, sie können durchfliegen.“ 

Na gottseidank! Jetzt aber bestätigen: 

„Delta 8729, Verstanden“ 

„Verstanden“ genügt, Wiederholen ist nicht nötig, war ja schließlich keine Freigabe! 

Und nu? Nun meldest du dich ab! Du brauchst zwar keine Freigabe, damit du auf deine Buschfrequenz zurückschalten darfst, aber „Bescheid“ geben mußt du schon! 

„Delta 8729, verlasse Ihre Frequenz“

„Delta 8729 verstanden, guten Flug!“ 

Na also! Ging doch! 

Als nächstes Beispiel willst du  weiter im Aufwind steigen, obwohl ein freigabepflichtiger Luftraum dich in der Höhe begrenzt. Den Rufnamen und die Frequenz und des zuständigen Ansprechpartners findest du in der bunten Karte, da wo der betreffende Luftraum eingezeichnet ist. (Jedenfalls, wenn die Karte nicht zu alt ist !) 

Also, es geht wieder los: 

 „Bremen Information, Delta 8729“ 

„Delta 8729, Bremen Information“ 

Mist, er hat wieder nicht abgekürzt. Egal, jetzt braucht der Lotse erst mal ein paar Informationen, danach kannst du deine Absicht kundtun: 

„Delta 8729, Position Fluggelände Großes Moor, Flughöhe 2500 Fuß in Thermik, erbitte weitersteigen auf 4500 Fuß.“  

Wichtig ist, daß du sagst, wo du bist und wie hoch du genau willst. Fluglotsen denken sozusagen in Stockwerken! Nur mit „Ich will höher!“ kann er nichts anfangen. 

Die Antwort kommt umgehend: 

„Delta 8729, ich rufe zurück“ 

oder, neuerdings: 

„Delta 8729, stand by“ 

(Das deutsche Sprechfunkzeugnis ist eben auch nicht mehr das, was es einmal war....) 

Im Hintergrund fragt jetzt der Fluginformations-Lotse den Radarlotsen, der in dem Luftraum über dir den Verkehr kontrolliert, ob der dich in seinem Luftraum haben will. Eine mögliche Antwort des Radarlotsen lassen wir jetzt mal weg und betrachten lieber den positiven Fall: 

„Delta 8729, Steigen auf Flughöhe 4500 Fuß ist genehmigt, QNH 1018“ 

Booah ey! Hat geklappt! Jetzt aber vor Feude nicht vergessen, die freigegebene Höhe und das QNH genau zu wiederholen... 

„Delta 8729, steige auf Flughöhe 4500 Fuß, QNH 1018“ 

...und das QNH im Höhenmesser auch einzustellen!

Auf der Frequenz mußt du jetzt natürlich bleiben. Es sei denn, der FIS-Lotse schickt dich weiter, direkt auf die Frequenz des schon erwähnten Radarlotsen.  Was da zu beachten ist, ist eine Geschichte für sich. 

Was wäre also gewesen, wenn der FIS-Lotse dich aufgeordert hätte, den Radarlotsen zu rufen, der für den drüberliegenden Luftraum zuständig ist? Das sähe so aus: 

„Delta 8729, rufen Sie Bremen Radar auf Frequenz 131,32“ 

Bremen? Wieso Bremen? Hier ist doch Hannoverscher Luftraum?? Na ja, die IFR- Anflüge auf Hannover werden eben inzwischen aus Bremen überwacht. Also wiederholst du: 

„Delta 8729, rufe Bremen Radar 131,32“ 

Jetzt umschalten und einige Sekunden reinhören. Möglicherweise hörst du jetzt professionellen englischen Funkverkehr des Lotsen mit den Verkehrsflugzeugen im Anflug auf Hannover. Aber nur keine Hemmungen, du hattest ja schließlich eine Einladung nach hier und darfst dich auch ruhig auf deutsch melden: 

„Bremen Radar, Delta 8729“ 

Da der FIS-Lotse den Anfluglotsen bereits über deine Position und deine Wünsche Informiert hat, kommt er gleich mit der Freigabe auf dich zu (andernfalls wärst du gar nicht erst weitergereicht worden) 

„Delta 8729, steigen auf Flughöhe 4500 Fuß genehmigt, QNH 1018“ 

Das mit dem QNH muß er machen, es gehört sozusagen zu jeder Höhenangabe dazu und muß auch immer wiederholt werden: 

Delta 8729, steige auf Flughöhe 4500 Fuß, QNH 1018“ 

Jetzt steht dem weiteren Steigen jetzt nichts mehr im Wege. Jedenfalls, wenn du bei der ganzen Funkerei den Bart nicht zerrührt hast... 

Eine andere Geschichte ist, wie du aus dem soeben eroberten Luftraum wieder hinauskommst. Zunächst bist du ja gestiegen, und nach einigen Minuten kannst du vermelden: 

„Delta 8729, Flughöhe 4500 Fuß... 

Auch wenn es gar nicht von dir verlangt war: die Flughöhe zu melden, ist mehr als eine Nettigkeit . Der Fluglotse kann sie (bei Segelfliegern) nicht auf dem Radar ablesen. Nehmen wir also an, weiterer Steigflug findet nicht statt. Dann könnte es so weitergehen: 

...ich möchte nach Norden ausfliegen“ 

Dagegen wird er kaum Einwände haben, also wird er antworten: 

„Delta 8729, verstanden, fliegen sie nach Norden aus dem Luftraum aus“ 

(Die Luftraumbezeichnungen habe ich mal weggelassen, um den Dialog übersichtlich zu halten. Es kann grundsätzlich sowohl „C“ als auch „D“ sein.) 

Nachdem du den Luftraum wieder verlassen hast, meldest du dich natürlich bei dem Lotsen ab: 

„Delta 8729, habe den Luftraum nördlich „Großes Moor“ verlassen, Flughöhe jetzt 4000 Fuß“ 

„Delta 8729 verstanden, Verlassen der Frequenz ist genehmigt, guten Flug“ 

Aha, dieses mal gab es eine Freigabe zum Frequenz verlassen. Einfach abmelden wäre hier nicht erlaubt gewesen! 

„Delta 8729 danke, verlasse Frequenz“   

— wird fortgesetzt —

Herbert@lsv-burgdorf.de